Ich bin Olympiasieger, ich habe ausgesorgt.

Zeig uns jetzt Deinen Lieblingsanzug: KLICK
  • Denkste!


    Nehmen wir einfach mal an, du wärst bei Olympia in Rio 2016 angetreten (am besten als Turner ;-)).


    Du lieferst einen Bomben-Wettkampf ab und ergatterst sogar zwei Goldmedaillen an deinen Lieblingsgeräten. Voller Stolz stehst du auf dem Treppchen, lächelst in die Kameras und erhältst deine Medaillen. Freudestrahlend kehrst du nach Deutschland zurück. Ein bisschen freie Zeit hast du dir jetzt echt verdient - schließlich hast du dir gerade deinen Lebenstraum erfüllt.


    Auch wenn Geld für dich zweitrangig ist - schließlich hast du eine Familie, die dich finanziell unterstützt - interessiert es dich, wie viel Geld dir dieser riesige Erfolg eigentlich einbringt? Immerhin hast du gefühlt ewig auf diesen Wettkampf hingearbeitet und solltest für den ganzen Aufwand und die investierte Lebenszeit auch ordentlich entlohnt werden. Das wäre immerhin nur gerecht. Du fragst dich, ob du nicht vielleicht sogar ausgesorgt und deine Familie damit von einer zusätzlichen finanziellen Last befreit hast. Leider muss ich dich da enttäuschen: Statt der erhofften Millionenbeträge erhältst du ganze 20.000€ für deine Goldmedaille. Für Silber wären es 15.000€, für Bronze 10.000€.


    Ist ja ganz schön mau, denkst du, aber ich kann dich beruhigen: Das Preisgeld wurde bereits hochgesetzt. Im Jahr 2012 bekam man nur 15.000€ für eine Goldmedaille, 10.000€ für Silber und 7.500€ für Bronze. Hört sich trotzdem wenig an? Ist es auch.

    Vielleicht solltest du zur Bundeswehr gehen und dort noch ein bisschen Geld dazuverdienen. Du als Olympiasieger? Echt jetzt? Jap.


    Ah! Da war ja noch was, denkst du jetzt vielleicht. So leicht lässt du dich nicht verarschen! Du hast doch ZWEI Medaillen gewonnen! Zwei Medaillen = zweimal Preisgeld! Tja, schön wär's. Aber leider ist die Stiftung Deutsche Sporthilfe nicht so spendabel, wie du es gern hättest. Zweimal Gold = blöderweise nur einmal Preisgeld. Echt jetzt? Jap.


    An dieser Stelle sei nun noch das Preisgeld für Athleten in Italien erwähnt, damit du dich richtig gedemütigt fühlen kannst. Als italienischer Sportler erhält man für Gold bei Olympia nämlich sogar 150.000€. Ist da eine Null zu viel? Nö. Echt jetzt? Jap.


    Na ja, so doof es auch ist... was soll man machen? Dann eben her mit den 20.000 und auf ein restliches Leben ohne Geld. Äh, so einfach ist das dann auch wieder nicht. Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass du die Kohle sofort bekommst. Ne ne ne, da wartest du mal schön noch ein Jahr und dann kriegst du das Geld... Na endlich! ...auf 12 Monate verteilt. Bitte was?!? Echt jetzt? Jap.


    Während du noch darüber nachgrübelst, warum du nicht einfach Fußballer geworden bist, denkst du über deine Zeit in Rio nach. Was du alles erreicht hast und dass du dir endlich deinen Traum von Olympia erfüllen konntest. Und auch wenn du vielleicht niemals reich an Geld sein wirst, bist du doch um einige Erfahrungen reicher geworden.



    Hier könnt ihr bei Bedarf nochmal die wesentlichen Punkte des Beitrags nachlesen:

    Geld für Gold: Medaillen-Prämien bei Olympia 2016 in Rio

  • Na ja, dass man mit Turnen nicht reich wird (Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn man gute Sponsorenverträge hat) war glaube ich bekannt. Insgesamt fallen mir als Sportarten im Wesentlichen nur Fußball, Basketball, Football, Baseball, Tennis, Golf und Formel 1 (ist das überhaupt Sport?) ein, bei denen man überhaupt eine Chance hat reich zu werden. Das merkt man diesen Sportarten aber auch irgendwie an. Und erstaunlicherweise ist Sport im Kapitalismus der USA am besten monetarisiert.


    Und das man als Sportler außerhalb dieser genannten Sportarten mit den geringen Hilfen, die man bekommt (oder auch nicht) auch kaum als Profi durchs Leben gehen kann ist auch schon mal in einer Dokumentation verfilmt worden. Diese Sportarten genießen halt nicht den Stellenwert in unserer Gesellschaft.


    Da einem Turner das aber von vorneherein klar ist muss er an die Sache anders rangehen. Stichworte: Beruf nach der Turnkarriere, Suche von Sponsoren während der aktiven Zeit, ... Ich denke - ohne es zu wissen - dass deshalb auch die Abitur- und Studiumsquote im Turnen höher ist, als z. B. im Fußball.


    Wir tun es halt für die Ehre und nicht für das Geld.


    Leider ist es so, dass Turnen trotz einer hohen Ästhetik nur sehr spärlich Fernsehzeiten bekommt. Die Sender können in diesen Sendeblöcken nicht ausreichend Werbung schalten. Ein Big Brother ist hier günstiger produziert und werbeträchtiger. Traurig aber wahr.


    Das es überhaupt Preisgelder in Wettkämpfen gibt hat mich eigentlich schon immer gewundert. Ja, ich habe auch 1 DM für eine 1 in einer Klassenarbeit bekommen - aber das fand ich damals schon angemessen ;-)


    Spaß beiseite: Ist der Erfolg - die Medaille - nicht Lohn genug? Kann man aus dem Erfolg nicht dann im Nachgang irgendwie Geld rausholen, wenn man es will? Siehe Fabian Hambüchen, der ja auf den Privatsendern in der einen oder anderen Show auftritt - und ich hoffe nicht, dass es irgendwann das Dschungel-Camp sein wird. Das ist für mich immer das Zeichen, wenn jemand ganz unten angekommen ist.


    Vielleicht ermöglichen Olympiasiege später auch Jobs im Verband oder als Trainer oder ...


    Das die Italiener mehr Geld für einen Olympiasieg bekommen als ein deutscher Turner liegt vielleicht auch daran, dass die Wahrscheinlichkeit für ihn die Goldmedaille zu holen viel geringer ist?


    Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens auch, wie mit Sportlern in einzelnen Ländern überhaupt umgegangen wird.


    Denkansätze:

    • Sportler in kommunistischen Systemen dienen als Aushängeschild und Beweis dafür, dass der Kommunismus funktioniert und werden auf unbedingten Erfolg (mit allen Schwierigkeiten, wie Doping, knallharte Auslese, ...) trainiert.
    • Sumo-Ringer in Japan genießen Kultstatus und werden wie Götter verehrt.
    • In ärmeren Ländern ist Sport oft eine der wenigen Wege raus aus der Armut.

    Bleibt die Frage: Bekommt das Turnen in unserer Gesellschaft ausreichend Beachtung? Die Frage ist in einem Turn-Forum wahrscheinlich eher rhetorischer Natur.


    #Preisgeld #Olympia

  • Ich stimme dir in allen Punkten zu. Allerdings habe ich es in dem von mir verlinkten Artikel so verstanden, dass die Regelung mit den Preisgeldern für alle Olympiagewinner gilt. Nicht nur Turner erhalten eher geringe Prämien, sondern prinzipiell alle, wenn ich das nicht missverstanden habe.


    Trotzdem verdienen andere Leistungssportler sicherlich unabhängig von Olympia-Gewinnen schon mal mehr als Turner.

  • Der Unterschied ist glaube ich, dass in allen Sportarten (außer beim Basketballer aus der USA) der Olympiasieg das grösste Ziel ist (beim NBA Spieler natürlich der NBA Titel).


    Direkt für seinen Sport Geld zu verdienen passiert aber außerhalb von Olympia. Für 20.000 Euro würde der erfolgreiche Fußballer in Dubai ein vergoldetes Steak (Ribery) essen gehen. Das ist für ihn Taschengeld.


    Bekommt bei Mannschaftssportarten eigentlich jeder das Olympia-Preisgeld oder die Mennschaft einmalig?

  • Ich habe nur was zu den Preisgeldern im Fußball für die Europameisterschaft gefunden:


    Zum Vergleich: Deutschlands Fußballer hätten im Falle eines EM-Sieges in Frankreich 300.000 Euro kassiert - pro Spieler. Für eine Endspielteilnahme hätte es noch 150.000 Euro gegeben. Der Halbfinaleinzug brachte Manuel Neuer und Co. immerhin noch 100.000 Euro.

    Da frage ich mich immer: würden die nicht auch spielen, wenn es kein Preisgeld geben würde?

  • Hoffentlich schon. Wäre traurig, wenn die nur wegen des Geldes spielen würden. Außerdem bekommen sie ja allein für ihren Vertrag schon extrem viel - ohne, dass sie überhaupt eingesetzt werden. Ob da eine weitere Prämie benötigt wird, bleibt fraglich.

  • Das ist halt leider der Kultstatus. Ein Fußballsport hat eine Fanbasis, die sich in den Prozenten an der Bevölkerung messen lässt. Und das in vielen Ländern der Erde. Also kann durch Werbung und Ähnliches ein größerer Teil der Bevölkerung erreicht und damit mehr Geld gemacht werden. Somit bieten Sponsoren, von denen es bekanntlich einige gibt, riesige Summen an, von denen ein solcher Sport lebt. Dazu die in der Summe immensen Fan-Mitgliedsbeiträge in den Vereinen, die so viel wiederum gar nicht kosten, und man hat die Millionen zusammen für die Spielereinkäufe, die Wettkampfgebühren und die Gehälter, die dann ja nochmals von Sponsoren gestützt werden.

    Vergleicht man das mit einem anderen Sport, hat man eventuell keine große Fanbase. Ich habe es noch nie erlebt, dass in einem meiner Wettkämpfe (oder auch in den Weltmeisterschaften, for that matter) Werbung von außerhalb der Branche gemacht wurde. Das waren immer kleine Equipmentverkäufer, die aber eben auch nichts spenden: Sie verkaufen ihr Material und sind dadurch mehr präsent als beworben. Damit verdient die Branche kein Geld. Hat also auch weniger Geld, ist unpopulärer, den Sportverbänden weniger wert.

    Ende vom Lied, große Sportarten kriegen Geld, kleine Sportarten eher weniger.


    Die Olympischen Spiele sind dann aber noch eine andere Nuss. Klar kann es sein, dass der DOSV den Wettbewerb als "kulturell" ansieht und demnach nicht der Meinung ist, hohe Preisgelder zahlen zu müssen. Oder er sieht sich selbst so in der Geldkrise, dass er an allen ecken und Enden perpetuell sparen muss, weil er einfach nicht genügend Sponsoren findet. Gibt es Zahlen zu den Beiträgen, die ein Sportler für die Teilnahme an Olympia leisten muss? Oder zur Verteilung der Sponsorengelder?

    Generell sehe ich die Olympischen Spiele als Desaster an im Bezug auf die Probleme, die sie an vielen Orten hinterlassen.

  • Ich habe es noch nie erlebt, dass in einem meiner Wettkämpfe (oder auch in den Weltmeisterschaften, for that matter) Werbung von außerhalb der Branche gemacht wurde.

    Kann man Flossenschwimmen denn eigentlich im Fernsehen schauen? Wie Sankt Peter schon erwähnt hat, wird Turnen ja eher selten mal im Fernsehen übertragen, obwohl es sehr schön anzusehen ist. :-(


    Klar kann es sein, dass der DOSV den Wettbewerb als "kulturell" ansieht und demnach nicht der Meinung ist, hohe Preisgelder zahlen zu müssen.

    Das wird sicherlich auch eine Rolle spielen. Und irgendwie haben sie ja auch recht. Aber für Athleten einiger Sportarten ist es halt trotz allem Kultstatus ganz nett, sich noch ein bisschen Geld dabei zu verdienen. Ist ja schließlich ihr Hauptberuf.


    Gibt es Zahlen zu den Beiträgen, die ein Sportler für die Teilnahme an Olympia leisten muss? Oder zur Verteilung der Sponsorengelder?

    Dazu habe ich leider keine Zahlen gefunden. Würde mich aber auch mal interessieren.


    Generell sehe ich die Olympischen Spiele als Desaster an im Bezug auf die Probleme, die sie an vielen Orten hinterlassen.

    Sprichst du dabei von landschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden in den Ländern, in denen die Spiele ausgerichtet werden? Oder sind Orte bei dir eher die Hirne der Sportler, die sich nach dem Erreichen ihres Ziels häufig zurücksehnen zum Glücksgefühl des Erfolgs?


    Dazu gibt es hier übrigens ein Doku zur mentalen Gesundheit und den Suchtproblemen von Nile Wilson:

  • Kann man Flossenschwimmen denn eigentlich im Fernsehen schauen?

    Es gibt keine einzige mir bekannte Fernsehübertragung eines FS-Wettkampfs. Man findet nur ab und zu diese Videos auf YouTube.

    [External Media: https://youtu.be/kxcgTYhk_z8]



    Ich rede hauptsächlich von wirtschaftlichen und landschaftlichen Schäden. Was das fehlerhafte Management der Länder nicht aufrechterhält, verfällt nach kurzer Zeit zur Ruine. Man nehme Rio de Janeiro. Die Pläne waren ja toll: neue Stadien könnten für weitere Events genutzt werden, das Olympische Dorf wäre Wohnraum. Heute verrottet langsam das Schwimmbecken, und der Wohnraum ist teuer und somit nicht ausreichend bewohnt.
    Olympia - Das Rio-Fiasko: Vergammelnde Stadien, Ladenhüter Olympiadorf - Sport - SZ.de


    Was das mit den Sportlern macht, ist noch mal was ganz anderes.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!