Ist CrossFit eine sinnvolle Ergänzung für das Turnen?

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WAS IST CROSSFIT?

CrossFit ist ein funktionales Training, d. h. ein für den Alltag brauchbares Training. Ok, das sind sie ja alle irgendwie - zumindest wird das behauptet (außer vom Unterwasser-Rugby und vom Hallen-Halma). Laut Wikipedia verbindet CrossFit u. a. Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen sowie Turnen miteinander.


CrossFit ist aber eigentlich in erster Linie ein amerikanisches Unternehmen. Der Name ist als Marke geschützt und die Finanzierung dieses im weiteren Sinne "kommerziellen Verbands" erfolgt über Kurs- und Trainingsgebühren und der Vermarktung der Markenrechte (Merchandise, durch Aufdrucke des Logos auf Trainingsgeräten, Lizenzen zum Führen des Namens, ...). Es gibt auch eine rege Youtube-Szene.


Entwickelt wurde CrossFit 1980 durch Greg Glassman und seiner Ex-Frau Lauren Glassman. Die erste Trainingsstätte wurde dann aber erst 1995 eröffnet. Beim CrossFit heißen diese "Box". Erst viel später kam es dann nach Good-Old-Germany. Am Anfang fand CrossFit insbesondere durch den Einsatz in den Fitnessprogrammen von Polizei, Feuerwehr, Militär, ... Verbreitung. So richtig als Unternehmen ist dann ca. im Jahr 2000 der Grundstein gelegt worden.


Die CrossFit-Games werden jährlich seit 2007 augerichtet. Begonnen hat das alles mal als "Scheunen-Veranstaltung" - heute ist es Stand 2020 weitestgehend kommerzialisiert. Der Community-Gedanke ist aber weiterhin relativ stark ausgeprägt und trägt auch heute noch erheblich zum CrossFit-Erfolg bei. "Veteranen" nehmen die Neulinge auf und zeigen ihnen Übungen und motivieren sie.


- Anekdoten-Einschub Start -

Eine Szene aus einer CrossFit-Dokumentation auf Netflix fasziniert mich immer noch. Da wurden die Athleten bei den CrossFit Games gezeigt bevor ihnen gesagt wurde, was sie an diesem Tag im Wettkampf machen müssen. Das wird nämlich vorher nicht verraten, damit man sich nicht gezielt darauf vorbereiten kann, sondern ganzheitlich trainiert. Da stehen also diese Athleten und rätseln und äußern Wünsche. Dann wird verkündet, was zu tun ist. Das ist dann gefühlt so etwas wie: 1.000 Klimmzüge, 500 Mal das 3 km lange Seil einarmig hochklettern, einmal den Pazifik durchschwimmen, ... Und was ist die Reaktion der Sportler? "Cool, das habe ich noch nicht gemacht. Das wird richtig wehtun. Ich freue mich schon darauf. Man werde ich danach tot sein. Aber morgen geht der Wettkampf ja zum Glück weiter". Das spiegelt in meinen Augen das Mind-Setting im CrossFit sehr gut wider. Die Neugierde darauf wo die Grenzen des eigenen Körpers und Geistes liegen.

- Anekdoten-Einschub Ende -

AKTUELLE ENTWICKLUNG 2020 - ADIEU GREG - WILLKOMMEN DAVE

CEO Greg Glassmann - der Chuck Norris des CrossFits - ist übrigens im Jahr 2020 zurückgetreten, da er seine eigenen Ansichten zu der Tötung des Schwarzen George Floyd durch US-amerikanische Polizisten zum besten gab. Reebok (auch Hauptausrüster und Sponsor der CrossFit Games) fand diese Äußerungen suboptimal und kündigte seine Sponsortätigkeit auf. Andere Geschäftspartner drohten ähnliche Schritte an oder zogen sogar nach. Einige Fitness-Studios änderten ihren Name, um sich von Gregs Auslassungen zu distanzieren. Um der CrossFit-Bewegung keinen weiteren Schaden zuzufügen blieb dann nur der Rücktritt. Neuer CEO ist Dave Castro. Er ist selber schon seit Jahren ein CrossFit-Athlet, betreibt eine eigene Trainingsstätte und hat die charmante Eigenschaft über Geld zu verfügen (das hat er wohl in seiner Führungsposition bei Oracle gespart - hier ein Link zu den Stellenanzeigen von Oracle: Oracle Careers | Job Search | Oracle Deutschland). Die Community hat große Erwartungen an ihn, was die Weiterentwicklung der CrossFit-Bewegung angeht.

ZIELE IM CROSSFIT

CrossFit sollte der Spezialisierung in den einzelnen Sportarten entgegen wirken. Es sollte möglichst viele Fähigkeiten ausbilden und Dir eine umfassende Fitness erlauben. Im Prinzip versuchst Du also beim CrossFit folgende Punkte durch das Training zu verbessern:

  • Herz-Kreislauf-/Atem-Ausdauer
  • Ausdauer
  • Kraft
  • Flexibilität
  • Geschwindigkeit
  • Koordination
  • Beweglichkeit
  • Gleichgewicht
  • Genauigkeit

Sieht nach einem ganzheitlichen Ansatz aus. Und es sieht auch so aus, als wenn ein Großteil dieser Ziele Dir als Turner helfen könnten. Und ein in meinen Augen ist ein sehr wichtiger Nebeneffekt die Steigerung der mentalen Widerstandsfähigkeit, die man überall im Leben benötigt. Never give up!

TYPISCHE ÜBUNGEN UND GERÄTE

Beim CrossFit werden verschiedene Sportarten zusammengebracht. Damit gehört CrossFit zu den anspruchsvolleren Disziplinen, da eine Vielzahl von Skills benötigt werden.


Schon alleine das Olympische Gewichtheben (Reißen und Stoßen), das man beim Crossfit in diversen Varianten durchführt ist technisch hoch anspruchsvoll und stellt auch an den Körper schon einmal einige Anforderungen. Nicht jeder schafft die Front-Rack Position, bei der die Langhantel im Stehen oben auf der Schulter/ Brust abgelegt wird, da seine Handgelenke nicht ausreichend gedehnt sind. Nicht jeder schafft eine saubere Kniebeuge, da seine Sprunggelenke nicht gedehnt sind. Selbst für uns als Turner sind das keine Selbstverständlichkeiten, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte. Grummel.


Neben dem Olympischen Gewichtheben spielen Eigengewichtsübungen eine große Rolle. Hier kommt es auf das Kraft-Gewichtsverhältnis an. In der Physik mag die Kugel eine perfekte Form sein. Im Sport eher nicht. Jedes Kilo rächt sich hier. Der Vorteil ist aber, dass man durch das "Umwandeln" (verkürzte Darstellung - so einfach ist es nicht) von Fett in Muskeln gerade am Anfang überproportionale Steigerungen erzielt.


Zu den oft gesehenen Eigengewichtsübungen zählen: Klimmzüge, Muscel-up, Liegestütz, Kniebeuge, Kipphänge (Toes to Bar), Seilklettern, Sit-Ups, Dips, ... und viele mehr. Na davon kennen wir doch auch schon einige aus unserem Turntraining. Das stimmt. Aber in welcher Intensität trainieren wir das? Das ist glaube ich ein großer Unterschied zum CrossFit.


Selbst der alte "Hock-Streck-Sprung" wurde zum Burpee aufgewertet. Burpee ist das Geräusch, das Du machst, wenn Du den 50ten Burpee abgeschlossen hast. Getreu dem Spruch:



Neben diesen Dingen gehören aber auch Schwimmen, Joggen, Radfahren (Triathlon), Rudern und solche Dinge wie das Ziehen eines Gewichtsschlittens oder der Farmer Walk (Rumtragen von Kettlebells) zum Programm.


Das wichtigste "Gerät" im CrossFit ist die Tafel. Ja, so eine, wie Du sie aus der Zeit in Erinnerung hast, in der Du unbeschwert warst und Zeit ohne Ende hattest: die Schulzeit. Denn auf dieser Tafel, die in jeder Box hängt wird das WOD, das Workout of the Day, angeschrieben.


Das nächste wichtige "Gerät" ist der Timer, der an der Wand hängt. Ja, auch wie in der Schule. Da war es eine Uhr, die irgendwie immer langsamer ging als normale Uhren. Insbesondere in den meist gehassten Fächern. Der Timer treibt Dich durchs Training. Er motiviert Dich und Du wirst ihn hassen.


Sonst werden neben der Langhantel für die olympischen Disziplinen so alltägliche Dinge wie Klimmzugstange, Wall Ball, Kettlebells, Kletterseil, Ringe, Battle Ropes, Barren, Gewichtsweste, ... benötigt. In einer Box findet man meistens sogenannte Cages (nein, da werden nicht die inneren Schweinehunde während des Trainings eingesperrt). Cages sind eine Art Gerüst, an denen man alles mögliche befestigen, Langhanteln ablegen und Klimmzüge machen kann. Und noch vieles mehr. Schaut mal auf die Rogue-Seite (Rogue Fitness Europe - Strength & Conditioning Equipment), da bekommt ihr einen Eindruck.


Was in der Aufzählung nicht vergessen werden darf ist das sogenannte Air-Bike. Von einigen auch Ass-Bike genannt. Das Ding ist das Hass-Objekt in einer Box. Du steigst drauf, gibst alles und kippst nach 1 (in Worten: einer) Minute tot vom Bock. Das Ding sieht absolut harmlos aus - und das sind ja bekanntermaßen die gefährlichsten Sachen.

Hier mal das von Rogue:


Bei den CrossFit Games wird bisher, obwohl Reebok der Hauptsponsor ist, das Air Bike von Assault genutzt. Schwinn - ein deutsches Unternehmen - hat so etwas schon vor 25 Jahren angeboten, aber da hat es noch niemanden interessiert.


Fun-Fact: Ein Ass-Bike kann man gut ins Training einbauen. Entweder in einen WOD als Teilübung oder sogar ein komplettes Training daraus basteln (z. B. die kenianische Treppe: 1 Kalorien - Pause - 2 Kalorien - Pause - 3 Kalorien - ... wer kommt wie weit?). Rogue hat einen Wettbewerb der anderen Art ausgerufen. Es geht darum, wer am schnellsten 50 Kalorien auf einem Echo Bike verbrennt. Der Rekord (Stand 2020) liegt bei 31 Sekunden. Hier der Beweis: Rogue Fitness - 50 cals in 31 seconds on the Rogue Echo Bike | Facebook Liebe Kinder: nicht nachmachen, sonst kommt der Herzkasper - und das ist nicht der aus dem Puppentheater, der Euch vor dem Krokodil rettet.

DIE "BOX" - DER ORT DER QUAL

Beim CrossFit trainierst Du wie bereits oben erwähnt in einer Box. Hört sich eng und dunkel an? Ist es in gewisser Weise auch. Die Boxen sind im Regelfall keine Wellnesstempel. Hier riecht es nach Schweiß und die Sonne wird selten ihren Weg in das Innere finden. In Amerika findet man diese Boxen oft in "dunklen" Lagerhallen oder sogar Scheunen. Ist alles so ein bisschen Rocky-mäßig. Nicht selten wird bei gutem Wetter das Training auch einfach vor die Halle verlegt. Dann werden die Scheunentore weit geöffnet und die Geräte rausgerollt. So romantisch sich das alles anhört - so ätzend ist ein gutes CrossFit-Workout. Schön, wenn der Schmerz im Anschluss nachlässt und die Sonne brauchst Du das nächste Mal nicht wirklich.


In Deutschland gibt es Stand 2020 bereits schon beinahe 300 CrossFit-Boxen. Wir benötigen so etwas nicht, da wir ja unsere Trainingszeiten, unsere Turnhallen und unsere motivierenden Turnfreunde haben. Damit spart ihr auch nicht unerheblich Geld.

ARTEN DES TRAININGS

Erst einmal ist es wichtig, dass ihr CrossFit nicht täglich macht. Drei Mal die Woche reicht vollkommen aus, wenn Du die einzelne Trainingseinheit auch Ernst nimmst und Dich komplett auspowerst. Würdest Du zu oft in diesem hochintensivem Bereich trainieren kann es zu Leistungsrückschritten führen, da der Körper keine Möglichkeit zur Regeneration hat. Dein Körper ist auch Stunden nach einem Workout noch in einer "aktiven" Phase und verarbeitet die ihm aufgezwängte Quälerei. Tja, soll er sich mal anpassen, damit er das nächste Mal nicht wieder so rumlamentiert.

Das CrossFit-Training sollte immer eine hohe Variation der Übungen und Belastungen bieten und damit ein breites Spektrum Deiner Skills ansprechen. Die Anzahl der Übungen und Trainingsarten, die Du dafür zur Auswahl hast erlauben viel Abwechslung.


Ein typisches Training dauert rd. eine Stunde und besteht im Regelfall aus folgenden vier Bereichen:

  • Aufwärmen,
  • Technik,
  • WOD,
  • Mobility

Die Reihenfolge kann auch mal abweichen, aber bei aller Kreativität, die ich Dir hierbei zutraue solltest Du das Aufwärmen am Anfang stehen lassen.


Beim Aufwärmen bereitest Du Knochen, Gelenke und vorhandene Muskeln auf das Training vor. Im Technik-Bereich übst Du neue Trainingselemente bzw. verbesserst bereits bekannte. Zum Teil wird hier dann auch mit höheren Gewichten gearbeitet. Der WOD (Workout of the Day) ist dann die Auspowerphase. Und damit nicht genug arbeitest Du danach noch etwas an Deiner Beweglichkeit (neudeutsch Mobility).


Easy höre ich Dich rufen.


Ok, kommen wir zu den WODs.


Es gibt mehrer Arten, wie so ein WOD aussehen könnte.

Du kannst eines dieser Meet-the-Girls Workouts ausprobieren. Diese Workouts wurden zusammengestellt, um letztendlich auch einen Fortschritt messen zu können und eine Vergleichbarkeit mit anderen Mitstreitern. Warum Mädchen-Namen? Da hat man sich wohl vom Wetteramt inspirieren lassen, die Wirbelstürmen auch immer weibliche Namen geben. Ist eben einfacher zu merken. Und diese WODs fühlen sich auch an wie Orkane... Hier mal eine Übersicht:



In die gleiche Kerbe schlägt der sogenannte Murph.



Einfach mal die Gewichtsweste umschnallen und das Programm durchziehen. Alles unter einer Stunde ist gut. Durchhalten für den Anfang schon ein großer Erfolg. Und ja, lass die Gewichtsweste am Anfang weg, die schränkt nur die Beweglichkeit ein, wenn Du am Ende jubelst - sofern noch möglich.


Aber Achtung: diese Meet-the-Girls und Murphs sind im Regelfall nicht Bestandteil eines normalen Training-WODs. Sie dienen eher zur eigenen Leistungsmessung.


Man geht im Allltags-Training eher hin und wählt im Wesentlichen aus drei Trainingsarten:

  • AFAP,
  • AMRAP,
  • EMOM

Für alle Arten benötigst Du einen Timer. Dank Handy ist das heutzutage mit der richtigen App kein Problem mehr. Einfach mal nach Tabata-Timern suchen. Tabata selber dann bitte wieder vergessen. Das ist eher Gesundgruppen-Niveau.


Der Vorteil dieser Trainingsarten ist, dass man in kurzer aber gut abschätzbarer Zeit ein großes Volumen trainieren kann.


Was unterscheidet nun die drei Arten:

AFAP - As Fast As Possible

AFAP wird meistens im Wettkampf genutzt. Hier gibt es ein vordefiniertes Programm, das man so schnell es geht schaffen muss. Der erste Mitstreiter, der es schafft gewinnt. Im Training ist es eine gute Möglichkeit seinen Fortschritt zu messen. Meet-the-Girls und Murph gehören in diese Kategorie.

AMRAP - As Many Reps As Possible

Beim AMRAP wählt man sich 3-5 Übungen für unterschiedliche Körperregionen aus. Man legt die Reihenfolge fest, Die Wiederholungszahl und ggf. das Gewicht. Eine Runde besteht dann aus dem Durchlauf aller Übungen in der vorgegebenen Reihenfolge. Pausen werden genommen, wenn notwendig. Achte aber darauf, dass Du die Pausen nicht zu lange wählst, um im "Flow" zubleiben. Selbst wenn es nur eine Wiederholung ist bis zur nächsten Pause solltest Du das machen.


Nun wählst Du die Dauer Deines Trainings. Im Regelfall so 10-20 Minuten. Ziel ist es möglichst viele Runden in der gegebenen Zeit zu schaffen. Und beim nächsten Mal natürlich mehr.


Timer start und los gehts.

EMOM- Every Minute On The Minute

Ein EMOM ist vom Grundaufbau ähnlich dem AMRAP. Du wählst Übungen, Wiederholungszahl, eine Reihenfolge und eine Gesamtzeit.


Beispiel:

Klimmzüge 10x

Air Squats 25x

Liegestütz 10x

Butterfly Sit-Ups 15x


Nun hast Du für jede Übung 1 Minute Zeit, um die Wiederholungszahl zu schaffen. Die Zeit, die Du nicht benötigst, weil Du die Wiederholungen bereits geschafft hast, darfst Du pausieren. Damit wäre in unserem Beispiel eine Runde (vier Übungen) genau vier Minuten lang. Wenn Du Dir fünf Runden vornimmst, dauert Dein WOD 20 Minuten (4 x 5).


Wähle die Wiederholungen so, dass Du sie auch noch im letzten Durchgang in einer Minute schaffst. Du wirst tendenziell in der ersten Runde mehr Pause haben als in der letzten - aber das ist ja genau das, was Dich quält und Deinen Willen auf die Probe stellt.

KRITIK AM CROSSFIT

So eine "erfolgreiche" Bewegung wie CrossFit hat natürlich auch seine Kritiker. Kritiker, sind übrigens die, die meckern, wenn andere ein Ei legen.

Unzureichende Trainerausbildung

Ein großer Kritikpunkt ist, dass die Trainerausbildung beim CrossFit, die nicht ganz billig ist, aber die Voraussetzung darstellt, wenn man sich "CrossFit" nennen möchte, viel zu kurz ist und dadurch auch nicht allumfassend. CrossFit vereint mehrere anspruchsvolle Sportarten. Hinzu kommen Ernährung, Verletzungsprävention, Trainingslehre, Anatomie, ... Eigentlich ein halbes Medizin- und Sportstudium. Wie soll das in wenigen Tagen vermittelt werden. Prinzipiell gar nicht.


Das Problem ist aber, dass beim CrossFit oft auch Menschen auflaufen, die vorher keinen Sport betrieben haben oder eine unzureichende Grundausbildung haben. Hinzu kommt, dass diese teilweise schon etwas älter sind. Diesen "Anfängern" dann für ein verletzungsfreies Training notwendige Grundlagen-Wissen zu vermitteln ist in der Praxis nahezu unmöglich.


Darunter leiden ja auch seit Jahren schon die klassischen Fittness-Studios.


Beim CrossFit wird versucht, dass Anfänger erst einmal in die Anfängerkurse gehen, die dann intensiver betreut werden. Aber Trainer - und vor allem gute - kosten viel Geld und sind von den Beiträgen oft nicht finanzierbar.


Vielleicht müssten die Gegebenheiten vor Ort öfter vom Unternehmen CrossFit unangekündigt überprüft werden. Aber daran besteht ja solange wenig Interesse, bis irgendwann mal etwas Schlimmes passiert oder sich Klagen häufen, wegen fehlender oder falscher Betreuung durch den Trainer und den dadurch erlittenen Langzeitschäden.


Ich denke, dieses Thema kann aber nie vollständig gelöst werden. Es gilt weiterhin: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Immanuel Kant: "Sapere Aude. Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Hohes Verletzungsrisiko

Siehe Punkt Trainerausbildung. Das ist halt die Folge.


Aber unabhängig davon bedeutet High Intensity Training (HIT) immer ein gewisses Verletzungsrisiko. Da die Konzentration nachlässt, wenn man sich auspowert und man dann naturgemäß schlechtere Entscheidungen trifft. Da reicht beim Reißen oder Stoßen eine falsche Bewegung und irgendwas reißt oder knackt weg. Aber ruhig bleiben: die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Auch wer sich nicht bewegt, kann sich verletzten. Die durch das Training aufgebaute Muskulatur sollte im Zeitablauf zumindest das Verletzungsrisiko reduzieren. Vorausgesetzt man macht keine grundlegenden Fehler im Bewegungsablauf.


Hoher Preis - teure Box

Also unter 100 Euro pro Monat ist da wenig möglich. Im Vergleich zu Mitgliedsbeiträgen in Sportvereinen, bei den 100 Euro oft der Jahresbeitrag ist, deutlich teurer. Aber es geht hier um Deine Gesundheit. Was ist die Wert? Ich denke mehr.


Unabhängig davon glaube ich, dass man, wenn man auf den Community Gedanken und die Motivation durch andere Mitstreiter verzichten kann, CrossFit auch sehr gut ohne Mitgliedschaft in einer Box machen kann. Dann muss man etwas autodidaktisch vorgehen und ein bisschen Platz haben und das eine oder andere Equipment anschaffen. Aber das lohnt sich auch.


Und wir als Turner haben ja eh unsere Halle. Der perfekte Ort. Dieser Kritikpunkt hier trifft uns also nicht.

Mögliche Erkrankung an Rhabdomyolyse

Klar - oder?

Unter Rhabdomyolyse versteht man die Auflösung quergestreifter Muskelfasern. Auflösung? Häh, wir wollten doch Kraft und Muskeln stärken.

Ein Matrose der Navy hat ernsthaft erfolgreich 300.000 Dollar Schadensersatz erklagt, weil er bei Durchführung eines CrossFit-Workouts eine Verletzung erlitten hat und behauptet hat, dass CrossFit das Risiko erhöht an R. (ab jetzt meine Abkürzung für das Fingerbrecher-Wort) zu erkranken. Wahnsinn. USA - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.


Aber was ist da dran?

Prinzipiell ist diese Erkrankung überhaupt sehr selten.


Die Krankheit kann belastungsabhängig auftreten und zu einem Muskeltrauma führen. Betroffen sein können hier alle Sportler (unabhängig vom CrossFit), die sich dauerhaft zu viel zumuten und Signale des Körpers nicht beachten. Deswegen gilt wie immer: Regenerationsphasen einlegen und auf den Körper hören. Übertraining vermeiden. Nicht von der Gruppe aufgrund psychischem Drucks oder Versagensängsten über die eigenen Grenzen treiben lassen. Die Kunst ist es echte Warnsignale des Körpers, wie z. B. starker Muskelkater, vom Mimimi zu unterscheiden.


Natürlich ist das Risiko bei hochintensivem Training höher, als bei anderen Sportarten wie „Ball über die Schnur“, aber ich halte das Risiko bei verantwortungsvollem Training zu erkranken für sehr gering bis nahezu ausgeschlossen. Ich bin aber kein Arzt! Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Apotheker oder Arzt.

IST CROSSFIT NUN EINE SINNVOLLE ERGÄNZUNG?

Na endlich. Kommt der Laberkopp endlich zum spannenden Teil.


Also für mich ist CrossFit eigentlich eine Weiterentwicklung des klassischen Zirkeltrainings. Durch die Arten AFAP, AMRAP und EMOM und das Einbeziehen anderer Sportarten wird das angestaubte Im-Kreis-Trainieren ordentlich aufgepeppt.


Viele der notwendigen Geräte sind in der Halle eines Turners bereits vorhanden oder können für wenig Geld vom Verein beschafft werden.


Außerdem glaube ich, dass man das eigentliche Turntraining relativ einfach um CrossFit-Elemente beim Aufwärmen ergänzen kann. Der Vorteil ist auch, dass der zeitliche Rahmen gesteckt ist und die Uhr den Takt vorgibt. Nichts ist schlimmer als der Spruch vom Trainer: jetzt wärmt sich jeder mal selber auf. Was man da zu sehen bekommt, ist teilweise abenteuerlich. Unmotivierte, wenig Motivierte, einige gar nicht, da sie noch einmal in die Umkleide sind, ... Ineffizienz hoch zehn.


Durch die Umstellung des Aufwärmens auf CrossFit wird getaktet trainiert und es werden bessere Fortschritte (Adaption der Muskeln und des Nervensystems an die Reize) erzielt. Die Gruppendynamik sorgt für den Rest. Und die Varianz für die Motivation.


Die gewählten Übungen erlauben auch gezielt Kraft und Skills für das Turnen aufzubauen.


Gerade im Breitensport werden Kraft und Dehnung im Training oft vernachlässigt, da es halt eigentlich niemandem richtig Spaß macht.


Hinzu kommt, dass man in unregelmäßigen Abständen auch kleine Wettkämpfe einbauen kann und somit die Leistungen messbar werden.


Erfolgreicher Kraftaufbau und Kraftausdaueraufbau muss nicht lange dauern und CrossFit erleichtert es auch dem Trainer Programme relativ einfach zusammenzustellen, die auch von der Zielgruppe gemocht werden. Ok, ein paar Nasen hat man immer dabei, die keine Lust haben.


Ich habe bisher positive Rückmeldungen erhalten und die Kraftzuwächse führten im Regelfall zu einer Verbesserung der turnerischen Leistung. Sogar zu einem höheren Sicherheitsgefühl z. B. auf dem Balken, da man einfach mit mehr Spannung auf dem Gerät steht. Und als Nebeneffekt ist man durch die Muskulatur auch besser vor Verletzungen geschützt. Und im Alltag wirken bestimmte Dinge (Einkauf reintragen, Müll rausbringen, Gartenarbeit, in der Nase bohren, ...) auch viel einfacher. Ein befriedigendes Gefühl.


Also liebe Turner: schlagt es eurem Trainer mal vor und bringt Pep in das Kraftprogramm. Und ihr liebe Trainer: schaut mal, ob ihr nicht Wege findet, wie ihr das einbauen könnt.


Die Antwort ist aus meiner Sicht also ein klares: Ja, CrossFit ist eine sinnvolle Ergänzung für das Turnen. Insgesamt finde ich sogenanntes Hybrid-Training spannend. Warum einschränken und nicht das Beste aus mehreren Welten nehmen?

TIPPS FÜR DEN START

Nutze bitte am Anfang keine oder nur leichte Gewichte. Achte wie beim Turnen immer auf eine korrekte und kontrollierte Technik/ Ausführung.


Fange mit einfachen WODs an. Helden kotzen nicht. Achte auf einen kontinuierlichen Fortschritt,

Du musst auch nicht alle Facetten des CrossFits in Dein Training einbauen. Lass Dinge weg. Nimm sie erst später hinzu.


Sorge für Abwechslung. Abwechslung erhöht die Motivation. Ziel ist es, dass Du das CrossFit langfristig in Dein Training integrierst. Einmal aufgebaute Skills verschwinden nämlich auch wieder, wenn man nicht dran bleibt. Das ist bei Dehnung auch ganz gut zu beobachten. Oder warum tut der MIttel-Spagat nach längerer Auszeit so weh, obwohl die 30 cm langen Bändchen der Trainingshose nicht einmal den Boden berühren?


Suche Dir einen Trainingspartner auf Deinem Niveau. Besuche bei schönem Wetter einen Calisthenics-Park und mache da Dein Workout.


Das Leben kann so schön sein.

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